Donnerstag, 4. Dezember 2008

Cote d’Ivoire mit Ausflug nach Hoffenheim



…und endet nach einer Woche auch schon wieder, zumindest voruebergehend. Zwischen der vorletzten und letzten Klausur habe ich fast 2 Wochen Zeit, reicht fuer eine kurze Reise zur Elfenbeinkueste, mit dabei: Stine, Seni und Hashimu (oben gemeinam in Abidjan).
Nach der Millionenstadt Abidjan, mit Hochhaeusern und riesigen Strassen und Baguette und Croissant, dann ein Ausflug in die Hauptstadt Yamoussoukro und dort gibt’s ausser der Basilique de Notre Dame de la Paix, der groessten Kirche Afrikas und laut Guide der hoechsten Kirche der Welt zu sehen: eigentlich nich viel.
1983 wurde Yamoussoukro, die Geburtsstadt des frueheren Praesidenten Houphouet-Boigny zur Hauptstadt ernannt, seit dem ist das ehemalige 500 Einwohnerdorf zwar gewachsen es gibt 6-spurige Strassen und ueberall Strassenbeleuchtung, doch das war’s dann auch schon wieder. Parlament, Botschaften und alle wichtigen politischen Institutionen befinden sich in Abidjan, Yamoussoukro, das Hoffenheim der Elfenbeinkueste.
Zurueck in Abidjan tauen Hashimu und Seni endlich auf, nach tagelanger Zurueckhaltung plappern sie franzoesisch, als waeren sie noch nie in Ghana gewesen: Maehrsi Baahkuuh, Attonsion Missjoeh, auch von Schmiergeldforderungen (African Money) an der Grenze lassen wir uns nicht abschrecken, geniessen unsere letzten guten Baguette bevor wir über Takoradi zurueck nach Accra fahren. Hier gibt’s jetzt noch drei Wochen englisches gezuckertes Brot, aber es bleibt keine Zeit zum beschweren, die ersten Studenten verlassen bereits den Campus um Weihnachten mit ihren Familien zu verbringen, hier in Ghana blicken alle gespannt auf Sonntag, dann wird gewaehlt: Atta oder Nana? NDC oder NPP? Doch dazu demnaechst mehr.

7000 klimatisierte Sitzplaetze und zusaetzlich 11 000 Stehplaetze, das ganze fuer 300 Millionen $ und eine Christenminderheit von 35%

Ueberraschungsbesuch



Ein scheinbar ganz normaler Dienstag, ich bereite Kaffee vor, gehe rueber zum Markt, kaufe Ananas, Bananen und Papaya, komme zurueck und da sitzt sie auf dem Balkon (siehe oben), als waer sie nie weg gewesen, Hanne aus Norwegen auf Besuch in Accra.
Also Rucksack packen und los zum Strand, ein paar Tage Ada Foah Beach, es ist Ende des Semesters, wir koennen uns das also erlauben, ausserdem ist Schildkroetensaison, leider sehen wir keine, obwohl wir bis spaet in die Nacht am Strand warten, dann geht’s zurueck nach Accra, Hanne bleibt 2 Wochen, wir gehen gemeinsam zum Nightmarket, zur Bushkantine, sitzen stundenlang gemeinsam mit Luisa auf dem Parkplatz und essen Bananacake, es ist, als haetten wir die Zeit zurueckgedreht. Doch die 14 Tage vergehen schnell, Hanne sagt Good-Bye, von nun an verbringe ich die Zeit mit Buechern und Handouts auf dem Balkon, die Klausurenzeit beginnt…

mit Hanne, Stine und Luisa auf dem Parkplatz.

Sonntag, 2. November 2008

Rückspiel International Students gegen Liberia

Gestern fand endlich das Rückspiel der Internationalen Studenten gegen eine Auswahl aus dem Liberiaflüchtlingscamp statt. Perfektes Timing: Ende letzter Woche entschied die ghanaische Regierung das Flüchtlingscamp Ende März kommenden Jahres komplett aufzulösen. Die Menschen werden entweder zurück nach Liberia geschickt oder in verschiedene Orte Ghanas umgesiedelt. Das Fußballspiel als Ablenkung von den Geschehnissen im Camp.
Nach über zwei Wochen Verhandlungen mit der International Students Association und Fahrten ins Camp war nun alles organisiert: Transport der Flüchtlinge vom Camp auf den Campus, Fußballplatz, Essen und Getränke, gar eine Pfeife für den Schiedsrichter; perfekte Rahmenbedingungen für eine Revanche der bitteren Niederlage des Hinspiels.
Und lange sah’s auch richtig gut aus, nach einem Zuckerpass von Fasl (Ethiopia) vollstreckte Thorsten (Werder Bremen) eiskalt, mit 1:0 ging’s in die Pause. Da wir ca. 30 Mann Kader organisiert hatten wurde zur Pause leider mit Mats und Simen das norwegische Abwehrbollwerk gegen nigerianische Solperstürmer ausgetauscht, die Liberianer drehten auf, drehten das Spiel und siegten verdient (4:2). Nachdem wir schon beim Hinspiel im Camp glücklos waren nun also die zweite Niederlage des glorreichen International Students Teams, spontan schlug Abi, der Organisator und Sprecher des Liberiateams ein drittes Spiel auf neutralem Boden vor, vielleicht wird’s ja noch was vor Dezember.


Manh, Simen, Benjamin, Thorsten, Brandon, Mats, ich und Mike;


Fasl, Philipp, Nico, Derek und Lauren (Hashimu und Seni kamen pünktlich zum Anpfiff und haben daher das Mannschaftsfoto verpasst)


Team Liberia mir Mannschaftskapitaen A.B. in der Mitte und Kommentator Samson unten rechts


Ghana gegen Lesotho






Am zweiten Wochenende im Oktober Ausflug nach Sekondi –Takoradi. Ziel: das Qualifikationsmatch zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika, Ghana gegen Lesotho. Und da es das alles entscheidende letzte Spiel der Gruppe war, war was los im und ums Stadion. Stundenlanges Anstehen in einer Schlange die letztendlich ins Nichts führte, Verhandeln mit Ticketzwischenhändlern, die es irgendwie durch offene Fenster in den Innenraum des Stadions geschafft hatten und so hatten wir am Ende doch 2 Stunden vor Spielbeginn unsre Tickets in der Hand. Aus Unachtsamkeit oder vielleicht als Geburtstagsgeschenk öffneten die Verantwortlichen des Stadions plötzlich die Eingangstore, mit oder ohne Ticket, alle strömten ins Stadion, Montags las ich in der Zeitung von 30 000 Besuchern im 20 000 Zuschauer fassenden Stadion. Die Stimmung im Stadion dann super, die meisten Sitzplätze umfunktioniert in Stehplätze, damit jedoch alles im Gleichgewicht bleibt Mauern und Abgrenzungen umfunktioniert in Sitzplätze, mit dem Support im Rücken hatte Ghana leichtes Spiel und gewann locker mit 3:0 gegen Luxemburg-Lesotho und hat nun als Gruppenerster die nächste Runde zur WM Quali geschafft.
mit Erica und Gabbie im Stadionvolles Haus

Ramadan vorbei und Party



Ende September dann endlich eine gute Nachricht für Hashimu, Seni und weitere fastende Moslems in Ghana: Ende des Ramadans. Fast den ganzen September über waren die beiden die besten Gäste, die man sich vorstellen kann. Keinen Tee kochen, keinen Kaffee, nicht vorher Kekse besorgen oder Wasser kalt stellen, nein man kann während des Ramadans auch einfach mal so bei über 30 Grad zwei, drei Stunden auf dem Balkon in der Sonne sitzen. Nun ist der Spass jedoch vorbei, ab sofort wird wieder gegessen und getrunken und zwar rund um die Uhr! Dies wird gefeiert mit einem großen Straßenfest in Nima, heute fahren keine Autos, heute wird getrunken, gegessen und getanzt.

Samstag, 4. Oktober 2008

Besuch bei Freunden

Vor ein paar Monaten habe ich hier einmal über meinen Freund Daniel, der als Security am International Student Hostel arbeitete berichtet. Nach seiner Versetzung zum Haus des Vizepräsidenten der Uni besuche ich ihn alle 2 oder 3 Wochen an seinem Arbeitsplatz. Jeden Abend beginnt seine Schicht um 22 Uhr, fast wie früher sitzen wir dann gemeinsam unter einem Baum, bewachen das Haus des Vizepräsidenten und plaudern bis spät in die Nacht. Wie so viele Bewohner Accras ist Daniel hier nicht aufgewachsen sondern kommt ursprünglich aus einem kleinen Dorf an der Grenze zu Togo. Dort verbrachte er wegen einer Beerdigung das Wochenende und so machten wir Montagmorgen auf der Rückreise nach Accra einen Zwischenstopp in Daniels Village Tengekope.

Coconut-Competition

Hier leben zwei bis dreihundert Einwohner, die meisten von ihnen von der Kokosnussernte. Kokosnüsse werden hier entweder an Markthändler verkauft oder zu Kokosnussöl verarbeitet. So erklärt uns Daniel bei unsrer Ankunft auch gleich wie hier traditionell Besucher empfangen werden: „Sit down, we start Coconut Competition! Sebastian, how many coconuts can you eat?“ So legen wir los: Stine und Pascal schaffen jeweils zwei, mit ein wenig Schummeln bin ich bei dreieinhalb angelangt doch Daniel zeigt uns, dass er der wahre Champion ist. Fünf Kokosnüsse, da kann keiner mithalten. Später lernen wir Daniels Familie kennen, seine Schwester lädt uns zu Bohnenpüree ein. Mit vollem Magen fahren wir gegen Abend zurück nach Accra.
Vor und Nach der Competition und anschließender Verdauungsspaziergang mit Daniels Schwester

Togo und Benin Part 2



Für den Aufenthalt in Ghana habe ich zwar ein 11 Monats Multiple Entry Visum, doch dieses muss alle 60 Tage verlängert werden. Dies kann ich entweder gegen eine recht hohe Gebühr im Immigration Service erneuern oder ich nutze eine zweite Möglichkeit: ich verlasse alle zwei Monate das Land, denn jedes mal wenn ich wieder einreise bekomme ich einen 30 Tage – wenn ich den Zollbeamtinnen sehr freundlich zulächele einen 60 Tage Stempel.
So stand im März ein erster Ausflug nach Burkina Faso, im Mai Togo und Benin, dann die Julireise mit Mali und Senegal an. Ende September war es also wieder soweit: Reiseziel erneut Togo, wiederum kombiniert mit einem Ausflug nach Benin.

1.Bad experience an der Grenze
Der Beginn der Reise verlief denkbar schlecht, und zwar mit der ersten „bad experience“ in über acht Monaten Ghana. So hatte ich nach dem Geldwechsel kurz vor dem Grenzübergang plötzlich weniger Geld als vorher in meinem Geldbeutel, der alte Trick, ich lasse mir das Geld vorzählen, als ich später kontrolliere ist es weniger als die vereinbarten 10 000 CFA. In Gedanken irgendwo zwischen „Wie hat der das denn jetzt gemacht?“ und „Wie kann ich nur so doof sein?“ achte ich nicht auf die vielen Menschen um mich herum und als ich an der Grenze mein Visum zahlen möchte suche ich vergeblich nach meinem Geldbeutel, er ist nicht mehr in meiner Tasche…mittlerweile finde ich die ganze Geschichte fast schon lustig, so hat letztendlich ein Betrüger den nächsten betrogen. Glücklicherweise habe ich mit Pascal aus Bern und Stine zwei aufmerksame Reisebegleiter, die genug Geld in der Tasche haben und mir ein Togo-Visum kaufen.

Ab nach Benin
Togo diesmal wieder als Durchreiseland, nach einer Nacht in Lomé geht’s weiter Richtung Benin. Und dort geht’s erst mal so weiter, an den Grenzen haben wir bei dieser Reise kein Glück. So erklärt uns der Zollbeamte, dass sie an der Grenze keine Visa ausstellen. Erklären, Diskutieren hilft nicht weiter, ich zeige ihm mein Visum vom letzten Beninbesuch, bringt alles nichts, er bleibt stur und wartet wohl insgeheim auf ein wenig „African Money“? Nein sagen wir, und warten ebenfalls. Bis Schichtwechsel, beim nächsten Zollbeamten gibt’s dann keinerlei Probleme, zügig erhalten wir unser Visum und von nun an wird es eine richtig gute Reise. Da wir an der Grenze ein paar Stunden ausgeharrt haben und es mittlerweile dunkel geworden ist, steuern wir den nächsten größeren Ort in der Nähe der Grenze an und übernachten bei strömendem Regen in kleinen Hütten direkt am Strand. Der Koch ist froh über die seltenen Gäste und bereitet uns Gambas mit Erbsen und frischer Petersilie zu. Am Morgen gibt es echten togolesischen Café, hier könnten wir ewig bleiben, doch wir haben lediglich ein 48 Stunden Visum für Benin erhalten und da wir noch etwas vom Land sehen wollen, geht’s weiter.

Voodoo und kleine Grenze
Ab Richtung Norden, Ziel Abomey, hier gibt’s zu sehen die Ruinen des Königspalasts von Dahomey und Voodoo, Voodoo, Voodoo. So tingeln wir von Fetishmarkt zu Fetishmarkt, bestaunen Affenpfoten, Hühnerkrallen, Geister in Flaschen, Schlangen, Igel. Auf einem Markt bekommt Stine ein Chamäleon in die Hand gedrückt, als müsste es uns beweisen, dass es wirklich ein wahres Chamäleon ist, wechselt es die Farbe von braun zu grün. Später betrachten wir auf einer Tour durch Abomey magische Bäume und heute immer noch genutzte Voodootempel. So gehen die 48 Stunden schnell vorbei, nach den Grenzproblemen bei der Einreise entscheiden wir uns bei der Rückreise für einen kleineren Grenzübergang bei Tohoun. Hier gibt es außer zwei Grenzbeamten einen weiteren Mitarbeiter. Wohl zur Unterhaltung an der Grenze im Niemandsland haben sie sich einen Grenzaffen angeschafft. Die Beamten machen gerade eine Pause, es gibt gekochten Mais, „vous etes invitez!“ Gerne, wir nehmen die Einladung an, gemeinsam essen und trinken wir, doch wir halten uns nicht allzu lange auf und ziehen weiter. In Togo gibt es im Gegensatz zu Ghana kein organisiertes Bussystem und außerhalb Lomés oft keine geteerte Straßen. Wir sind mit Motorrädern unterwegs begleitet vom Sonnenuntergang erreichen wir noch vor Anbruch der Dunkelheit die nächste Stadt.
Fahrt in den Sonnenuntergang