Nach dem Abenteuerausflug am nächsten Tag dann ein wenig Kultur. Wir besichtigen die Sklavenburg Cape Coast Castle, 1630 von Briten erbaut. Beeindruckend und bedrückend die Besichtigung der Sklavenkeller, hier wurden tausende auf engstem Raum untergebracht bevor sie auf die Schiffe verfrachtet wurden. Seltsam auch die „Door Of No Return“ zu passieren, lustig ist die Tür jedoch auf der Rückseite, hier hat man sie einfach auf „Door Of Return“ umgetauft. Cape Coast ist ansonsten eine recht überfüllte Touristadt, überall gibt es Rastafaris, die sich als „Fishbone“ oder „Sharkbite“ vorstellen. Am Abend eine „Drumming and Fire-Show“ direkt am Strand, nach den Strapazen im Regenwald und der ganzen Kultur am Nachmittag lässt sich der Tag hier entspannt ausklingen.
Freitag, 29. Februar 2008
Cape Coast Castle
Vom Bush ins Dschungelcamp
Nach mehreren Stunden Fahrt erreichen wir Mosomagor, ein 300 Seelendorf in der Nähe von Nyankumase. Hier gibt es weder Strom noch fließend Wasser, 2/3 der Einwohner sind Kinder, sie rennen aus dem Kindergarten oder der Schule, klatschen in die Hände, rufen immer wieder „Ooooobruuuuniiiii, Ooooobruuuuniiiii“. Wir treffen Simonda und Attan, unsre Local Guides sie führen uns über 2 Stunden über kleine Pfade durch den Regenwald, schließlich erreichen wir kurz nach Anbruch der Dunkelheit unser Ziel: eine Baum-Plattform in ca. 10 Meter Höhe. Im Park gibt es Elefanten, Leoparden, viele verschiedene Affen, doch sie sind alle unterwegs. In der Trockenzeit brechen sie auf in die Fluss- und Seeregionen, unser Baum steht so ziemlich im trockensten Gebiet des Regenwaldes, so sehen wir nur ein paar Schmetterlinge und ein paar Moskitos, hören in der Nacht aber wildes Affengeschrei und mindestens 27 verschiedene Vogelgezwitscher.
Simonda kennt sich hier aus, wir pflücken Bananen, lutschen Kakaobohnen, die wie Nimm2 schmecken, bis man draufbeisst und wünscht man hätte auf Simondas Rat gehört, sie schmecken nich nach Kakao, sondern einfach nur bitter. Auf dem Rückweg scheint es, dass Simonda unsre vielen Fragen satt hat: er schneidet die Rinde von einem Baum ab und erklärt uns, dass diese zur Asthmabehandlung eingesetzt wird. Kaut man auf der Rinde schmeckt es zunächst etwas bitter doch dann setzt plötzlich die Wirkung ein: der Mund ist wie betäubt, man kann seine Zunge nicht mehr fühlen. Der Heimmarsch verläuft daraufhin sehr still, doch nach ner halben Stunde lässt die Wirkung nach, wir können wieder reden, geschafft.
Oben: 2. grösster Baum Ghanas
Rechts: Dorfkids
Montag, 25. Februar 2008
Uni? Maybe next week.
Dann Mittwoch doch mein erster richtiger Kurs: Drumming.
Wir sitzen im Schatten unter einem der alten Bäume auf dem Campus, ab und zu kommen Mädels vorbei, um „Pure Water“ oder Ananas zu verkaufen. Der Teacher erklärt erst mal alle Regeln: zu spät kommen ist nich drin („ the course starts at 1:30 so please be there lateliest at 1:40“), Ananas bitte vor oder nach dem Unterricht kaufen, usw.
Dann wird getrommelt, wie ich finde für einen Anfängerkurs recht anspruchsvoll, jeder muss den Rhythmus nachspielen, es wird kontrolliert, korrigiert und mein Lehrer teilt mir mit, dass wir uns nach dem Kurs mal unterhalten müssen. Schlimmste Vorahnungen: spiele ich so schlecht? Muss ich den Anfängerkurs wieder verlassen? Gibt es eigentlich einen Kurs für gescheiterte Anfänger?
So bleibe ich bedripst auf meiner Bank sitzen bis alle den Kurs verlassen haben und warte auf die Unterhaltung. Nach 10 Minuten kommt der Trommellehrer endlich und ich nehm’s vorweg, ich darf weiter am Kurs teilnehmen. Francis, so der Lehrer, ist ein großer Deutschlandfan, wir reden über German Food, „Bayern Munschen“, tauschen Nummern aus und nun treff ich mich nächste Woche mit meinem Lehrer auf ein, zwei Bier in der „Bush Cantine“ (so was wie Mensa, aber ein bisschen besser), ich bin echt ein Streber.
Montag, 18. Februar 2008
Liberia
Letzten Samstag Reise mit Judith und Dan nach Obunduro in der Nähe von Winneba, ein Lager für Bürgerkriegsflüchtlinge aus Liberia. Dort leben noch immer fast 40.000 Menschen, doch man merkt eigentlich gar nicht, dass man sich in einem Flüchtlingslager befindet. Alles sieht aus wie in einem gewöhnlichen ghanaischen Dorf, es gibt Schulen, Kirchen, ein Internetcafé, gar eine Fahrschule. Nur ist alles ein bisschen sauberer, hier gibt es sehr viele NGO’s, wobei sich einige auch darum bemühen, Umweltverschmutzung zu vermeiden. Samuel, den Judith auf der Hinreise im Flugzeug kennengelernt hat, führt uns durch das Camp. Er stammt ebenfalls aus Liberia und arbeitet hier bei einer NGO „Children Care“. Ich lerne Benedikt kennen, der so alt ist wie ich und seinen Vater Anfang 2000 im Krieg verlor oder Lené, der hier schon seit 8 Jahren lebt und von einem Fußballspiel 1997 erzählt: Liberia gewann gegen favorisierte Ägypter sehr überraschend 2:1 daraufhin wurden die Kämpfe für eine Nacht und den folgenden Tag unterbrochen, man feierte gemeinsam, doch schon am nächsten Tag ging der Krieg weiter.
Weiter fällt mir im Camp auf, dass die Mädchen hier alle lange Haare haben, im Gegensatz zu den kurz geschorenen Haaren der ghanaischen Mädels (Samuel erklärt, dass lange Haare für Frauen in Liberia sehr wichtig sind) und dass die rechte Hand-Regel beim Essen hier niemanden interessiert, ebenso habe ich das erste mal seit ich in Ghana bin wieder eine Gabel benutzt, beim ghanaischen Essen fehlt diese stets, hier liegt sie zumindest neben dem Teller.
Samuel und seine Jungs sind gerade dabei, die Beziehungen zwischen der Hauptstadt Liberias, Monrovia und dem Camp zu verbessern, deshalb sind sie ab nächsten Monat in einer kleinen Gruppe vor Ort in Monrovia. Wir verbringen den ganzen Tag gemeinsam, essen köstliche und allzu leicht verdauliche Speisen aus Liberia (Cassava Leafs mit Reis), trinken zum Abschied noch ein Bier und erhalten schließlich neben dem Angebot für die NGO im Camp zu arbeiten eine Einladung nach Monrovia, für Unterkunft vor Ort ist gesorgt…es bahnt sich eine weitere Reise an!
Einschreiben, Zweischreiben, Dreischreiben
Mittwoch dann Einschreiben an der Uni, Start: 10AM Ende: 4PM. Ein ewiges Hin und Her zwischen Bank, Uni, Bank, Uni, Cash Office, Uni. Wenn ich da nur an das Rückmelden an der Uni Freiburg denke: kurzes Anstehen am Automaten, Unicard und EC-Card rein, 2,3 Knöpfchen drücken, bestätigen und die Sache ist in 5 Minuten erledigt. Doch irgendwie hatte das Sitting and Waiting in den Gebäuden auch etwas: So gibt es in der Geldbank eine ca. 10 m lange Sitzbank, hinter der man zunächst ansteht. Wird der erste aufgerufen, rückt man immer einen Platz weiter, unterhält sich mit den Banknachbarn über aktuelle Kreditpreise oder über unterschiedliche Holzverarbeitungsmöglichkeiten bei Banken in Banken. An der Uni geht’s dann ähnlich weiter ein Formular ausfüllen, zwei Formulare…doch am Nachmittag hat sich der ganze Stress gelohnt, ich besitze neben ca. 25 verschiedenen Kopien und einem bei der Bank gestohlenen neuen Kulli einen Ausweis der Uni Accra, mit Student-ID, Bild und Unterschrift des Directors, coole Sache!
Die nächsten Tage dann Einschreiben für die verschiedenen Kurse. Das geht recht schnell, vor allem da man als Weißer an der langen Schlange vorbeigeschleust wird und auf einem Stuhl seine Special Admission ausfüllen darf. Erika, eine dunkelhäutige Austauschstudentin aus den USA muss ein wenig länger warten, sie hat ihren Ausweis vergessen und ihr wird unterstellt, dass sie sich an der Schlange vorbeischmuggeln will, nach längerer Diskussion darf sie aber doch vorbei.
Also kurzes Resumee: Ich bin doch nun tatsächlich eingeschrieben, habe meine Kurse gewählt und Montag geht’s offiziell los: Doch es gehen bereits erste Gerüchte rum, man sagt die Professoren lassen sich in der ersten Woche eh nicht blicken…macht dann auch nix, denn dann wird eben wieder gereist. Nächstes Ziel: Lomé, Togo. Denn dank Daniels Französischkursen dürfte das ganz gut gehen.
Nice to meet you
Seit zwei Tagen hat das gute alte Wohnheim ein neues Gesicht, die Zeit der Entspannung und Ruhe ist vorbei, denn sie sind da und es werden täglich immer mehr, niemals sieht man sie allein ständig sind sie sehr sehr freundlich, ständig sagen sie „Sebässtschn, Nice to meet you“: Amimädels, oben unten, links und rechts und immer aber wirklich immer in einer Gruppe von mindestens 10.
Ich muss das hier jetzt mal dazu nutzen etwas Dampf abzulassen, denn wirklich - ich traue mich fast nicht mehr offen mit den Norwegerinnen oder den Engländern zu lästern, überall könnte eine Horde lauern und mithören: Sie putzen ihre Zähne mit Flaschenwasser, fragen am Orientierungstag, wie man reagieren soll, wenn man von einem Ghanaen angesprochen wird, raten mir abends nicht beide Ohrstöpsel meines Kopfhörers einzustecken, man weiß ja nie was passieren könnte, sie beschweren sich am Orientierungstag, dass sie niemand vorgewarnt hat, dass hier neben English auch so genannte „Local Languages“ gesprochen werden…so jetzt reicht’s aber auch und ich rudere ebenfalls etwas zurück denn es gibt ja noch Jess und Daphne und Allison und und und…auch alle from the states und echt cool und schließlich bin ich ja auch hier um kulturelle Unterschiede zu überwinden, Vorurteile abzubauen, ich werde mich bessern, versprochen
Wohnheim
Das gute alte Wohnheim ISH = International Student House und zwar Number One ist seit über zwei Wochen mein Zuhause. Solomon war letzte Woche in Urlaub und besuchte seine Familie, ist seit gestern Abend wieder da und das ist gut, Charity hat viel zu tun, die Langeweile der ersten Tage ist verflogen, sie und ihre Kolleginnen rotieren über die Flure, richten Toiletten, Küchen und Zimmer. Daniel macht weiter die Nachtschicht, seit ich ihm erzählt habe, dass ich an der französischen Grenze aufgewachsen bin, korrigieren wir abends gemeinsam seine Hausaufgaben, er hat keinen Bock mehr auf den Security-Dienst, möchte ins Hotelmanagerbusiness einsteigen und muss daher französisch lernen, ich helfe ihm Texte zu übersetzen, nebenbei macht er große Fortschritte beim Deutschlernen: „Guten Abend“ oder „Gute Nacht“ geht ihm mittlerweile so leicht über die Lippen wie Labello mit Kirschgeschmack.
Links: Zimmer Mitte: Aussicht von meinem Balkon Rechts: Sicherheit