Donnerstag, 27. März 2008

Accra – Kumasi – Tamale – Mole – Tamale – Kumasi – Accra

Das Osterwochenende dann von Donnerstag bis Ostermontag mit einer langen Reise in den Norden Ghanas mit Ziel Mole Nationalpark. Der einfache Weg in den Park besteht aus ca. 18 Stunden Busfahrt, ewig langen Aufenthalten an verschiedenen Bushaltestationen, doch das schöne ist, dass es nie langweilig wird, was einerseits an den Reisepartnern Hanne, Stine und Jonas liegt. Andererseits schaut man einfach aus dem Bus und versucht die vielen Unterschiede zwischen dem Norden und Süden Ghanas auszumachen oder man vertreibt sich die Zeit an den Haltestationen, mit den verschiedensten Smalltalks über Reifen, Bananen oder über die Unterschiede zwischen Afrikanischen oder Asiatischen Elefanten. Doch genug geschrieben, heute mal klassischer Blogstil: wenig Text, viele Bilder.

Bilder: die erste Straße führt vom Süden in den Norden, dann ist da zwimal die älteste Moschee Ghanas einmal im Original und dann die Fälschung (die mit den Menschen vornedran), Eingang Mole National Park, 2 mal Elefantenbilder und die Straße in den Süden

Es folgen demnächst: Affen, Pumba und ein Gruppenbild mit Hashimus Bruder Atta in Tamale


Mittwoch, 19. März 2008

Hochzeit in Akim Oda

Sonntagmorgen dann schon sehr früh unterwegs, auf geht’s von Kumasi nach Akim Oda, zur Hochzeit von Hashimus Bruder Rabiu. Die Hochzeit findet in Old Town Zongo, dem muslimischen Viertel von Akim Oda statt. Wir treffen den Ehemann zufällig auf der Straße, er wirkt irgendwie desinteressiert am ganzen Hochzeitstamtam, spaziert lieber alleine durch die Gegend, die Anspannung ist spürbar…

Im Haus angekommen dann erst mal Shake-Hands mit den übrigen Familienmitgliedern, ich lerne weitere Verwandte Hashimus kennen und dann gibt’s erst mal gutes Essen. Die Braut treffen wir später, sie sitzt mit Schwiegermutti mittendrin im Geschehen, alle Gäste kommen nacheinander zur Braut und kleben Geldscheine auf ihre Stirn, sie wechselt am Hochzeitstag mehrmals ihre Kostüme, schaut sehr ernst, niemals lächelt sie, die Anspannung ist spürbar…

Der Tag plätschert vor sich hin, es ist sehr heiß, wir verziehen uns in den Schatten, der angekündigte Tanz sowie das Fußballspiel zwischen Freunden des Ehemanns und der Braut werden wegen der Nachmittagshitze in die frühen Abendstunden verschoben, nach mehreren Stunden Sitting and Waiting dann doch der Tanz in der Dorfmitte, Freundinnen der Braut geleiten sie bei einer traditionellen Polonaise. Wir werfen noch schnell ein paar Blicke auf den Tanz, doch dann geht es auch schon wieder zurück, auf in den Trotro zurück nach Accra.

Bitte lächeln, der Fotograf versucht vergeblich die Braut zum Lachen zu bringen.





Special Guests, Obrunis bitte vor: mit Anja, Bernie (in gelb) und Stine






Internet ist heute mal wieder sehr träge, weitere Bilder auch zu Kumasi folgen bald


Kumasi

Dieses Wochenende dann Ausflug mit Stine nach Kumasi, die heimliche Hauptstadt Ghanas und tatsächliche Hauptstadt der Ashanti-Region mit Palast des Ashantikönigs und dem größten Markt Westafrikas (laut meinem Reiseführer entspricht der Markt ca. 14 Fußballfeldern, ich bemühe mich jetzt aber erst mal nich mehr so viel über Fußball zu schreiben).

Prince, eine Trotro-Bekannschaft auf der Reise nach Kumasi, muss nun mal als Musterbeispiel für ghanaische Gastfreundschaft herhalten. Nach wenigen Worten im Bus (das klassische was machst Du hier, wo kommst Du her, wo gehst Du hin, was machst Du sonst so?) hilft er uns in Kumasi unser Hostel zu finden. Kurz drauf sitzen wir bereits bei gemeinsamen Abendessen in der Stadt, treffen Freunde von Prince und schon hat man nach ein paar wenigen Stunden nicht mehr das Gefühl neu in einer fremdem Stadt, sondern irgendwie mittendrin statt nur dabei zu sein.

Schön dann auch Samstag nach einem langen Tag auf dem Markt Samson, einen von Princes Freunden, zufällig in der Stadt zu treffen. Dank ihm dann auch das nicht mehr für möglich gehaltene Highlight des Tages, ich weiß nicht mehr genau wie und warum doch wir reden über Kaffee und Samson hat eine Idee. Wir durchqueren kleine und große Straßen, es geht auf und ab im hügeligen Kumasi, dann erreichen wir unser Ziel. Versteckt hinter mehreren Eierkartons sitzt unser Mann, unscheinbar und mies gelaunt an einem kleinen Tisch am Straßenrand. Doch wir schaffen es, ihm das wahrscheinlich erste Lächeln des Tages ins Gesicht zu zaubern. „2 Kaffee, bitte“ ein Satz, der gar keiner ist und der in Deutschland wahrscheinlich nicht mal ein Wimperzucken auslöst, sorgt hier für tief emotionale Gefühlsäußerungen. „Um diese Zeit, seit ihr denn verrückt“ sagt sein Blick nach dem er ausgiebig seine Uhr studiert und festgestellt hat, dass es immerhin schon 7 Uhr abends ist, doch dann ertappen wir ihn, für Sekundenbruchteile vergisst er seine schlechte Laune und es klettert dieses schelmische Grinsen über sein Gesicht. Dann macht er sich auf den Weg zu seinem riesigen Wasserkessel und kredenzt uns mürrisch einen viel zu süßen doch niemals zuvor besser schmeckenden Instant-Nescafé: Himmlsk (is norwegisch und muss glaub ich nich übersetzt werden).

Kultur und Krach

Samstagabend dann ein wenig Kultur: Burger High Life Konzert im National Theatre in Accra. Was ich im Voraus nicht wusste, der ganze Abend gesponsert und mit freundlicher Unterstützung des Goethe Instituts, Deutsche lauern an jeder Ecke, man trifft „alte“ Freunde, wie Simone von der Deutschen Botschaft oder Maja aus dem Flugzeug, das Konzert meist echt cool, ne super Band, verschiedene Größen des Highlife, wie Mc God lassen’s richtig krachen.

Und Krach gibt’s nich nur diesen Samstag auf dem Konzert, das Highlight diesmal Sonntagnachmittag. Ja, es geht mal wieder ein wenig um Fußball, Spitzenspiel der ghanaischen Liga: Hearts of Oak Accra gegen The Fabulous Kumasi Asante Kotoko. Das Spiel interessant, doch nicht wirklich fesselnd, während der Halbzeit verlässt jedoch niemand die Ränge, denn auf dem Spielfeld findet ein Spektakel statt: 5 Auswechselspieler aus Accra gegen 5 Auswechselspieler aus Kumasi, Ziel ist, den Ball im gegnerischen Tor unterzubringen und anschließend ins Publikum zu feuern, man sagt, die Mannschaft die dies zuerst schafft, wird anschließend auch das reguläre Spiel gewinnen. Regeln gibt’s keine, Schlagen, Treten, gar Handspiel, alles ist erlaubt. Den Polizisten im Stadion wird es irgendwann zu viel, sie entschließen sich, ebenso ins Geschehen einzugreifen, entfernen einige Spieler vom Feld und versuchen den Ball zu fangen. Großes Chaos, jeder im Stadion fiebert mit, doch gegen Ende gelingt keiner Mannschaft der große Coup, so wussten es bereits alle im Stadion zur Halbzeit, das wird heut nix mehr und das Spiel endete standesgemäß 0:0.

Liberia vs. International Students

So, jetzt gibt’s dann doch mal wieder ein paar Neuigkeiten. Erst mal ein längst fälliges Update, der Ausflug vorletzten Samstag ins Liberiacamp. Früh am Morgen hatten wir dann doch 15 internationale Studenten zusammengetrommelt, schnell einen Bus organisiert und ab ins Camp. Dort dann ein herzlicher Empfang, wir durften gar in den Trikots der Heimmannschaft auflaufen (Gruppenbild folgt). Abi, unser erster Ansprechpartner im Camp und Captain der Liberiaauswahl mit freundlicher Ansprache („Welcome to Liberia in Ghana!“), wir sind kein Team der großen Worte, überspringen den offiziellen Teil und stürzen uns ins Spiel. Nach anfänglich starkem Beginn, lassen nach ca. 20 Minuten unsre Kräfte nach, der Schiedsrichter pfeift nur noch für Liberia, natürlich ist neben miserablen Platzverhältnissen auch noch das Publikum gegen uns und letztendlich gewinnt Liberia völlig überraschend und in der Höhe äußerst unverdient mit 5:2 gegen tapfere, schweißüberströmt kämpfende internationale Studenten. Doch wir werden eine zweite Chance bekommen, Anfang/Mitte April wird es auf dem Campus Legon ein offizielles Rückspiel geben. Abi, Kobolo und Co. werden uns also besuchen, mal sehen ob sie am Ende wieder strahlen.

Samstag, 8. März 2008

6.März Ghana wird 51

Donnerstag dann Nationalfeiertag mit Militär- und Schulkinderparade am Independence Square. Gefeiert wird heuet mit Hanne und Stine aus Bergen und Akemi aus Tokyo. Stundenlang wird hier auf- und abmarschiert, anschließend hält Präsident Kuffuor ne Rede, davon bekommen wir allerdings schon nichts mehr mit, denn es die meisten Menschen verlassen den Platz wir ziehen mit, auf geht’s an den Strand. Hier sind tausende Menschen unterwegs, so nen überfüllten Strand habe ich noch nie zuvor gesehen, wir tauchen ein in die Menschenmenge, feiern mit, vergessen die Zeit und die Sonnencreme, am Ende des Tages kommen vier erschöpfte Obruni Kokos im Wohnheim an. Doch das Highlight wie immer mal wieder ganz am Ende: während der Heimfahrt kündigt es sich bereits an, zunächst ein paar kleine Tropfen, dann plötzlich ein Wolkenbruch, es stürmt und blitzt, die Flure im Wohnheim überflutet, meine Papiere hat der Sturm im ganzen Zimmer verstreut, macht alles nix, auf geht’s in den Regen, es ist wunderbar kühl, anschließend trage ich Pullova, doch am nächsten Tag ist alles schon wieder vergessen, heiß wie eh und je.







Bilder: Independence Square, dann beachte man bitte die Zeitung in der rechten Hand (51!), Strandidylle und Dancing in the Rain mit Hanne, Akemi und Stine

Jetzt auch Uni

Und genau diese Vokabel habe ich Montag, Dienstag und Mittwoch Abend mehrfach benutzt. 2 Stunden dauert hier eine Vorlesung, da reichen zwei bis drei pro Tag echt aus um abends aber so was von uapong zu sein. Zurück in Freiburg werde ich wahrscheinlich nach ner anderthalb Stunden-Vorlesung mit einem lauten „War’s das wirklich schon?“verwundert aufstehen.

Wie läuft so ne Vorlesung, wie läuft so ein Unitag?

Bevor es montags 7.30 AM losgeht muss man mehrere Regeln beachten:

Regel 1: Immer „Große“ Scheine

Es gibt hier einen Shuttlebus, der von ISH zu den verschiedenen Departments fährt, kostet 10 Pesewas (um die 5 Pfennig), die man allerdings leicht umgehen kann: wenn man mit einem 1 Cedi-Schein bezahlen möchte, wird man grinsend von dem Kassierer vorbeigewunken.

Regel 2: Immer zuerst nach oben schauen

Ganz wichtig beim Betreten der Vorlesungsräume ist der Blick zur Decke: funktioniert der Ventilator? Welcher Ventilator dreht am schnellsten? Schnell findet man die kühlsten Plätze, denn ohne Ventilator geht’s nich.

Also, dann geht’s auch schon los, mit den 2 Stunden habe ich ehrlich gesagt ein wenig übertrieben, denn obwohl hier noch niemand was von s.t. oder c.t. gehört hat, haben wir noch nie pünktlich angefangen. Mit meist 20 bis 30 minütiger Verspätung beginnt eine Lesung, telefonieren während der Vorlesung, ist bei Prof oder Studenten gern gesehen und kein Hindernis, die meisten Profs nutzen die Bühne und die meist ca. 200 bis 300 Zuschauer zu unterhalten, es herrscht fast immer ne Superstimmung mit großem Entertainment-Faktor und gute Witze werden gerne mit lauten Pfiffen oder Klatschen belohnt. Ein wenig fühle ich mich jedoch an meine Schulzeit erinnert, von selbstständigem Mitschreiben hat hier anscheinend noch niemand was gehört, von ner 2 Stunden Vorlesung geht gut und gerne eine Stunde mit Diktieren verloren, was anfangs echt hart war, doch es wird mittlerweile immer besser, die Lücken beim Mitschreiben immer kleiner.

Dann geht’s auch schon weiter, ne Stunde Pause (meist Ananas odern Eis), dann am Mangobaum links abbiegen, vorbei an den Aloe-Vera Pflanzen, ab ins nächste Department, ne halbe Stunde warten, dann lachen, schreiben, schreiben, schreiben, uapong!

Wenn ich nich an der Uni unterwegs bin, findet man mich zur Zeit meist auf dem Fußballplatz. Wir haben ein International Students Team organisiert und fahren Samstag ins Liberia-Flüchtlingscamp. Dort steht ein Spiel gegen das Camp-Team an, wir befürchten Schlimmstes, wir sind zwar ein recht gutes Team und haben in Dan aus Leeds echt einen guten Teammanager gefunden, doch das Camp-Team spielt in der ghanaischen Zweiten Liga, naja es geht ja auch um mehr als das Spiel, eigentlich.

Wohnheim update

Was gibt’s neues im Wohnheim? Die Situation mit Adelaide hat sich verbessert, geschickt habe ich das Thema Australien, als auch das Tabuwort „Hauptstadt“ umgangen, herzlich dann der Empfang Dienstag Abend: ich weiß nicht, was mit Adelaide los war, doch ich kam erschöpft von 6 Stunden Vorlesung nach Hause und wurde doch tatsächlich an der Tür mit Shakehands begrüßt, ein Zeichen: vergeben und vergessen, es geht wieder aufwärts mit uns beiden. Daniel war diese Woche ein paar Tage nicht da, als er Donnerstag dann pünktlich um 10pm wieder auf seinem Stuhl vor dem Wohnheim saß, merkte er nebenbei an, dass er nur eine kleine Malaria hatte, drei Tage ausgeruht und nun wieder arbeiten kann. Dagegen scheint Solomons Geschichte fast ein wenig dramatischer, letzten Montag hat er erfahren, dass er vom coolen Wohnheim ISH1 ins zweitcoolste Wohnheim ISH2 versetzt wird, ich war live bei seinem Abschied dabei, es flossen keine Tränen doch sein Abschiedssatz: „Sebastian, I really love this place“ wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Dank Charitys Hilfe habe ich nun ein selbstgeschriebenes Twi-English Wörterbuch, neuste Vokabel „Uapong“. Engl „I’m finished for today“. Dt. „Ich habe fertig“.